Skip to main content

Geheimbünde & Orden: Templer und Assassinen

Im Lauf der Geschichte gab es viele Bünde und Bruderschaften, die im Geheimen und abseits des öffentlichen Bewusstseins agierten. Und genau dieses Geheimnisvolle ist es, was die Menschen heute so sehr an ihnen fasziniert. Bedenkt man nur die Videospielreihe “Assassins Creed” oder die Thriller des US-amerikanischen Autors Dan Brown. In den folgenden Beiträgen will ich mich näher mit diesen Geheimbünden beschäftigen, und einen Überblick über die Bekanntesten geben, aber auch über weniger Bekannte, wie die “Schlaraffia”, aber dazu in meinem Zweiten Artikel zu diesem Thema mehr.

Bezogen auf Geheimbünde ist zu aller erst wichtig zu wissen, dass diese sehr unterschiedlich aufgebaut und organisiert sind. Gemeinsam haben sie, dass sie versuchen, sich von der Öffentlichkeit abzuschirmen, also ihre Riten und Versammlungen (und in manchen Fällen auch ihre Existenz) geheim zu halten. Wichtige Unterschiede bilden sich in ihren unterschiedlichen Absichten und auch in ihrem Verhältnis zu geltendem Recht. Während beispielsweise die Freimaurer eine legale Vereinigung sind, kann man im Fall des Ku-Klux-Klans oder der Mafia wohl kaum von legalen Organisationen sprechen.

 

Die Templer

Allgemeines & Wirken des Ordens

Der Templerorden ist einer der – in der heutigen Zeit – bekanntesten Orden. Zahlreiche Mythen ranken sich um diesen Orden, doch eigentlich waren die Anfänge dieser Organisation recht “unmythisch“. Gegründet wurde er um das Jahr 1120, mit dem Ziel, europäische Pilger auf dem Weg nach Jerusalem vor Überfällen und anderen Gefahren zu schützen. Gründungsmitglieder waren wahrscheinlich Hugo de Payns, Gottfried von Saint-Omer, sowie weitere französische Ritter. Im Jahr 1139 wurde der Templerorden durch eine päpstliche Bulle direkt dem Papst unterstellt und dadurch bestätigt. Ab diesem Zeitpunkt bildete der Templerorden sozusagen einen “Staat im Staat” im heutigen Israel, was ihn für andere weltliche Herrscher quasi unantastbar machte. Ihr Hauptsitz war der Palast auf dem Tempelberg in Jerusalem.

Vorbildfunktion des Templerordens

Der Templerorden war der erste Orden, der die Ideale des Adels mit denen des Mönchtums verband und dadurch Vorbild für weitere Orden, die sich in der Folgezeit gründeten. Der wichtigste unter ihnen ist der Johanniterorden, aus dem der heutige Malteserorden hervorging. Wie alle Orden hatte auch der Templerorden gewisse Grundregeln, nach denen jedes Mitglied zu handeln hatte. Diese 72 Regeln regelten verschiedene Lebensbereiche der Mitglieder, wie den Gottesdienst, Mahlzeiten, Verhalten der Mitglieder untereinander, aber auch zum Beispiel wie mit verstorbenen Ordensmitgliedern zu verfahren sei.

Niedergang & Auflösung

Jacques de Molay

Im Jahr 1312 wurde der Templerorden schließlich von Papst Clemens V. endgültig aufgelöst. In den Jahren zuvor hatte sich der Niedergang jedoch bereits angekündigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen verlor der Templerorden spätestens mit dem Fall der letzten Kreuzfahrerburg Akkon im Jahr 1291 und dem daraus resultierendem Scheitern der Kreuzzüge seine Grundbestimmung im Schutz europäischer Pilger. Zum anderen festigten sich in den Jahren 1100-1300 die Strukturen der Königreiche, was dazu führte, dass “supranationale” Organisationen wie der Templerorden zunehmend mit Misstrauen betrachtet wurden, wodurch auch die Anwerbung neuer Mitglieder deutlich erschwert wurde. Ein weiterer Grund für den Niedergang des Templerordens war, dass es ihnen nach dem Verlust ihrer Territorien in und um Jerusalem nicht gelang, in Europa ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet aufzubauen. Stattdessen waren weit verteilte, kleine Territorien im Besitz der Templer, wodurch es ihnen nicht gelang, erneut Macht und Einfluss aufzubauen.

Verfolgung & Hinrichtung der Anführer

Im Jahr 1307 wurden mehrere Mitglieder der Ketzerei und Sodomie angeklagt, nachdem sich zahlreiche Gerüchte über homosexuelle Riten der Templer in Europa verbreiteten. Grund für diese Anklagen war vor allem der französische König Phillip IV., der vor allem bei den Templern hoch verschuldet war, und sich durch deren Zerschlagung eine Tilgung seiner Schulden erhoffte. Zwar standen die Templer zu dieser Zeit immer noch unter dem Schutz des Papstes. Dieser war jedoch abhängig vom französischen König. zum Beispiel war der Sitz des Papstes zu dieser Zeit in Avignon, Frankreich. Im weiteren Verlauf des Jahres 1307 erließ Phillip IV. einen Haftbefehl für alle Mitglieder des Templerordens, welche dem Recht der Kirche und der Inquisition zu überstellen seien. Daraufhin wurden in Landesweiten Aktionen Razzien durchgeführt, und zahlreiche Templer (darunter auch der letzte Großmeister Jacques de Molay) gefangen genommen und inhaftiert.

Die anschließenden Prozesse und “Befragungen”, oft unter Folter, zogen sich über Jahre hin. Durch die Auflösung des Ordens unter Papst Clemens V. im Jahr 1312 war kein Prozess gegen den gesamten Orden mehr möglich. So wurden lediglich die Verfahren gegen einzelne Mitglieder fortgesetzt. Am 18. März 1314 wurde Jacques de Molay zusammen mit Geoffroy de Charnay mit der Vollstreckung des Todesurteils nach damals geltendem Recht auf dem Scheiterhaufen in Paris verbrannt.

⇒ Passend zu diesem Thema: Die Templer. Aufstieg und Untergang von Gottes heiligen Kriegern*

 

Die Assassinen

Allgemeines

Während der Templerorden eine christliche und von den europäischen Herrschern akzeptierte Organisation waren, handelt es sich bei den Assassinen wirklich um einen Geheimbund. Besonders berühmt und berüchtigt waren sie für ihre Auftragsmorde, die sie mit nahezu meisterlicher Perfektion und im Geheimen ausführten. Ursprünglich waren die Assassinen eine Abspaltung der schiitisch-islamischen Nazariten, die vor allem im 12. und 13. Jahrhundert wirkten. Ihre Besitzungen waren über den Nahen Osten verstreut, und konzentrierten sich im heutigen Libanon und Syrien, sowie in der Nähe von Teheran (Iran). Ihr Herrschaftsgebiet, das “Land der Möglichkeiten“, gewannen sie durch Okkupation vieler Höhenburgen in der Gebirgsregion Dschebel Ansariye. Sie beherrschten diese Burgen und die umliegenden Ländereien, wobei die Zentralisationspunkte ihres Staates die Burgen waren. Dadurch konnten sie sich die Kontrolle über ein kleines, aber kompaktes und gut zu verteidigendem Territorium sichern. Gegründet wurde der Staat der Assassinen bereits zum Zeitpunkt des Beginns der Kreuzzüge, also Ende des 11. Jahrhunderts. Die Staatsform entsprach einer Theokratie, mit dem “Alten vom Berg“, wie das religiöse Oberhaupt in Deutsche übersetzt heißt. Er regierte von der Burg Alamut aus (sie fiel 1256 an die Mongolen), welche 100 Kilometer entfernt von Teheran liegt.

Niedergang & Attentate

Zum Niedergang der Assassinen trugen wiederum viele Ursachen bei. Wirtschaftlich gesehen waren es die Tribute, die sie im Laufe der Zeit an verschiedene Staaten entrichten mussten. Ab 1250 begann der Sultan des ägyptisch-syrischen Reichs damit, die Gebiete des Nahen Ostens von Christen, aber auch von Schiiten zu säubern und gegen diese Krieg zu führen. Nachdem 1273 die letzte Assassinenburg al-Kahf durch Belagerung des Heeres des Sultans fiel, fand der Assassinenstaat, das “Land der Möglichkeiten”, sein Ende.

Eine Reihe von Attentaten wird den Assassinen zugeschrieben, und es gibt einige, die nachweislich von ihnen verübt wurden. In der Regel ließen sich die Attentäter für ihre Auftragsmorde bezahlen, wobei sie wahrscheinlich sehr furchtlos und risikoreich agierten. Neben zahlreichen Attentaten auf Personen aus dem östlichen Raum gab es auch einige auf europäische Adelige. Die wichtigsten sind:

  • Konrad von Montferrat –> wurde am 28. April 1192 in Tyrus getötet, der Auftaggeber ist nicht bekannt
  • Phillip von Montfort –> wurde am 17. März 1270 in Tyrus getötet, Auftraggeber war vermutlich Baibar (Sultan der Mamlucken)
  • Eduard von England –> überlebte den Attentatsversuch im Juni 1272 in Akkon, Auftraggeber war vermutlich Baibar

In meinem nächsten Artikel “Geheimbünde & Orden Teil 2” wende ich mich weiteren Organisationen dieser Art zu, unter anderem dem Illuminatenorden und dem Ku-Klux-Klan.


Literaturliste:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error

Dir gefällt meine Seite? Dann abboniere oder teile sie!