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Außenpolitik im Deutschen Kaiserreich

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Ursachen und Hintergründen des Ersten Weltkriegs. Thema ist die Außenpolitik im Deutschen Kaiserreich, welche man in zwei Phasen unterteilen kann. Die Ausrichtung auf Friedenssicherung (1871-1890) und die Hinwendung zum Krieg (1890-1914). Der Zweite Beitrag zu dieser Thematik beschäftigt sich dann mit dem Attentat von Sarajevo, dem Ultimatum an Serbien und letztendlich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Ära Bismarck

Otto von Bismarck

Die Außenpolitik des Deutschen Kaiserreichs war maßgeblich prägend für die Konstellationen der Allianzen im Ersten Weltkrieg. Grundsätzlich kann man die Außenpolitik während des Deutschen Kaiserreichs in zwei Phasen unterscheiden. Die Ära Bismarck (von 1871-1890) war geprägt vom Bestreben, eine friedliche Rolle innerhalb Europas einzunehmen. Dies versuchte er durch zahlreiche Bündnisse, die vor allem “friedenstauglich” sein sollten, zu erreichen.

Kaiser Wilhelm I.

Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Dreikaiserabkommen aus dem Jahr 1873, welches zwischen Zar Alexander II., Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm I. geschlossen wurde. Zweck dieses Bündnisses war es, “die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens gegen alle Erschütterungen” zu sichern, und so gleichzeitig den deutschen Erbfeind Frankreich auf dem europäischen Kontinent zu isolieren. Auf einer Reichstagsrede am 11. Januar 1887 verkündete Bismarck Folgendes: ” Wir haben keine kriegerischen Bedürfnisse, wir gehören zu den – was der alte Fürst Metternich nannte: saturierten Staaten, wir haben keine Bedürfnisse, die wir durch das Schwert erkämpfen könnten.“. Dieses Zitat ist charakteristisch für die Politik Bismarcks, denn er war sich bewusst, dass ein europäischer Krieg das noch so junge Kaiserreich zerstören würde. Auch hielt sich das Reich unter Bismarck sehr zurück, Kolonialismus zu betreiben, da dies, so fürchtete man, zu massiven Spannungen mit den anderen Großmächten Europas führen würde.

⇒ Passend zu diesem Thema: Deutsche Außenpolitik unter der Ära Bismarck*

 

Imperialismus und Wilhelminismus

Kaiser Wilhelm II.

Nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. (09. März 1888) trat (nachdem Wilhelms I. Sohn nach nur 99 Tagen als Kaiser gestorben ist) ein neuer Akteur in den Vordergrund der deutschen Politik. Kaiser Wilhelm II., der Enkel des verstorbenen Kaisers. Während sich dessen Großvater maßgeblich durch Bismarck beeinflussen und beraten ließ, hielt der neue Kaiser des Deutschen Reichs nur relativ wenig von dessen politischem Kurs des Friedens. Mit der erzwungenen Abdankung Bismarcks vom 18.3.1890 findet ein drastischer Richtungswechsel der deutschen Außenpolitik statt: Bündnisse werden nun auf Kriegstauglichkeit geprüft und das Deutsche Kaiserreich fordert seinen “Platz an der Sonne“. Die perfide aufgebauten Bündnisstrukturen Bismarcks werden sozusagen “über den Haufen geworfen”, das Dreikaiserabkommen wird beispielsweise im März 1890 nicht erneuert. Deutschland wendet sich damit gegen Russland, da sich die Politiker (theoretisch) einen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland durchaus zutrauen.

Aufrüstung & Isolation

Militärisch rüstet das Kaiserreich in den Jahren nach 1890 vor allem zur See auf, Schlachtschiffe werden gebaut. Damit versucht die Reichsführung, ihren Anspruch auf Kolonien (Afrika, Naher Osten) geltend zu machen und diesen – wenn nötig – auch mit Gewalt durchzusetzen. Spannungen mit anderen Kolonialnationen wie England oder Frankreich waren damit vorprogrammiert. Hinzu kommt, dass zu diesem Zeitpunkt die größten und wertvollsten Ländereien bereits aufgeteilt sind. Das Deutsche Reich ist also “zu spät dran“, um sich ihren von der Regierung propagierten “Platz an der Sonne” zu sichern.

Im Zuge dessen wird Deutschland politisch immer mehr isoliert. Das einzige Bündnis mit Bedeutung zur Zeit der Jahrhundertwende ist jenes mit Österreich-Ungarn, mit dem man sich nun noch stärker verbünden will. Bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bilden sich so bereits zwei Bündnisse in Europa. Auf der einen Seite das Deutsche Kaiserreich und Österreich-Ungarn (ab 1914 auch noch das Osmanische Reich) und die sogenannte Entente, bestehend aus England, Frankreich und Russland. Die Entente konnte sich durch die Beilegung von Kolonialkonflikten 1904 zwischen Frankreich und England (Entente cordiale), sowie 1907 zwischen England und Russland zur Triple-Entente formieren.

 

Wie man auch im zweiten Artikel zu diesem Thema sehen wird, gab es auch ohne das Attentat von Sarajevo ausreichend Spannungen innerhalb Europas. Historiker sprechen von dieser Zeit oft von einem “Pulverfass”, welches jeden Moment explodieren könnte. Denn maßgeblich beteiligt an diesen innereuropäischen Spannungen war die Politik und die Selbstdarstellung des Deutschen Reichs. Letztlich war das Attentat von Sarajevo der entscheidende Funke, der dieses “Pulverfass” zum Explodieren brachte. Dazu aber in meinem nächsten Beitrag mehr.


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