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Der Rupertiwinkel – Mittelalter & Neuzeit

Nachdem ich mich im letzten Artikel “Der Rupertiwinkel – Allgemeines & Antike” mit allgemeinen Informationen der Kulturlandschaft Rupertiwinkel und mit der Region in der Antike befasst habe, wende ich mich in diesem Beitrag der Region im Mittelalter und in der Neuzeit zu, denn diese Zeit war besonders wichtig für die Charakterbildung des heutigen Rupertiwinkels.

Frühmittelalter

Bereits ab dem 6. Jahrhundert n.Chr war das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels als Teil des Salzburggaus in das bayerische Stammesherzogtum eingegliedert. Dieses Herzogtum bestand seit 551 n.Chr und war unter der Herrschaft des fränkischen Adelsgeschlechts der Agilolfinger, welche bis zum Ende des Stammesherzogtums (788 n.Chr) den Landesherren stellten. Im Jahr 817 wurden die bayrischen Gebiete König Ludwig II. (“dem Deutschen”), Enkel Karls des Großen, übergeben und unter seine Herrschaft gestellt. Zu dieser Zeit verfügte die Salzburger Kirche bereits über einige, verstreute Besitzungen, war aber noch Teil Bayerns. Um das Jahr 700 n.Chr. schenkte der bayrische Herzog Theodo II. das Dorf Piding der Salzburger Kirche, um sich ihre Gunst zu sichern. Auch Ellanpurgkirchen (heute Anger) kam um 1000 n.Chr in den Besitz der Salzburger Bischöfe.

 

Der Rupertiwinkel als Teil des Salzburger Erzstifts

In den folgenden Jahrhunderten kamen nach und nach immer mehr Ländereien in den Besitz der Salzburger Bischöfe, die vor allem ab dem 12. Jahrhundert stark an Macht gewannen. So auch das Gebiet des späteren Rupertiwinkels. Unter dem Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz wurde das Erzstift Salzburg im Jahr 1328 zu einem eigenständigen Territorium innerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Die “Außergebirgs-Besitzung” Rupertiwinkel war aufgrund ihrer reichen Böden die Kornkammer des Erzstifts und deshalb von enormer Wichtigkeit für Salzburg.

Die fast 600 Jahre andauernde Zugehörigkeit des Rupertiwinkels zu Salzburg, darunter fast 500 Jahre als eigener Territorialstaat, waren im Allgemeinen eine Zeit des Friedens und der Blüte. Während es in den Nachbarländern immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam, konnten die Bewohner des “Außergebirgs” in den Jahren 1400-1800 n.Chr. unter der Herrschaft Salzburgs ungestört und in Frieden ihren Tätigkeiten nachgehen. Vor Krankheiten jedoch nicht verschont, und so breitete sich im Jahr 1350 auch im Gebiet Salzburgs die Pest aus. Innerhalb des späteren Rupertiwinkels traf es besonders Anger (damals noch “Ellanpurgkirchen”) besonders hart.

 

Wechselnde Herrschaften & endgültige Zugehörigkeit zu Bayern

Im Zuge der Säkularisation dankte 1803 der letzte Fürsterzbischof von Salzburg ab, und der frühere Großherzog von Toskana, Ferdinand III. aus dem Hause Habsburg-Lothringen übernahm dort die Herrschaft. In diesem Jahr wurde aus dem Fürsterzbistum Salzburg ein Herzogtum, und gleichzeitig wurde ihm die Kurwürde verliehen. Durch den Frieden von Pressburg (1805) kam das Herzogtum Salzburg (mit allen territorialen Gebieten) formal an das Kaisertum Österreich. Im Jahr 1809 fiel das Gebiet dann für fast ein ganzes Jahr an Frankreich, bevor das Herzogtum Salzburg im Frieden von Schönbrunn als Teil des Salzachkreises an das Königreich Bayern angegliedert wurde.

Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege mit dem Wiener Kongress im Jahr 1816, wurden im Vertrag von München die “Außergebirgs-Besitzungen” Salzburgs aufgeteilt. Die Gebiete rechts der Salzach (Flachgau und Tennengau) wurden dem Kaisertum Österreich zugesprochen. Die Gebiete links der Salzach (mit den Ruperti-Pfarrgemeinden) hingegen verblieben beim Königreich Bayern.

 

Streit nach dem 2. Weltkrieg

Erwähnenswert ist auch der Versuch der Wiederangliederung des Rupertiwinkels an das Land Salzburg nach Kriegsende 1945. Der damalige Landeshauptmann des Landes Salzburg Josef Rehrl wollte dabei zusätzlich zum Rupertiwinkel auch noch den Landkreis Berchtesgaden, und Gebiete bis zur Traun eingliedern, um die historische “Traungrenze” wiederherzustellen, die es aber in Wahrheit nie gegeben hat. Diese Bestrebungen wurden aber von der einheimischen Bevölkerung überwiegend ablehnend aufgenommen. Auch der bayrische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner empfand dieses Vorhaben als regelrechte Beleidigung. Letztendlich verliefen Rehrls Bestrebungen im Sand und der Rupertiwinkel blieb bis zum heutigen Tag Teil des Freistaats Bayern.


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