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Friedrich II. (HRR) von 1220 bis 1250

 

Nachdem ich mich in einem Ersten Beitrag zu Friedrich II. mit seiner Kindheit, dem Deutschen Thronstreit und seiner Zeit als Deutscher König befasst habe, nehme ich nun in diesem Beitrag sein Verhältnis zur Kirche und dem Papst, den Kreuzzug von 1228/29, sowie seinen Ruf als Gelehrter & “Freund der Muslime” genauer unter die Lupe.

Der letzte Beitrag endete mit der Krönung Friedrichs und seiner Frau Konstanze zum römisch-deutschen Kaiser im Jahr 1220. Dort erneuerte Friedrich auch seinen Schwur, einen Kreuzzug zur Rückeroberung Jerusalems zu führen. Zunächst zog er jedoch zurück in seine Heimat Sizilien, wo er auf dem berühmten Hoftag von Capua (Dezember 1220) 20 Gesetzte, die “Assisen von Capua” beschloss. Diese dienten vor allem seiner Herrschaftssicherung.

Denn während seiner immerhin achtjährigen Abwesenheit hatten die lokalen Fürsten Siziliens ihrerseits ihre Macht gefestigt, was vor allem in Form von Ausbau und Errichtung von Festungen und Wehranlagen geschah. Kerninhalt dieser “Assisen von Capua” war der Beschluss, dass alle seit 1198 – also seit der Krönung Friedrichs zum König von Sizilien – gebauten Festungen entweder zerstört oder eingezogen wurden. Um die neu geschaffenen Assisen auch durchsetzen zu können, musste jedoch erst ein streng strukturierter Verwaltungsapparat aufgebaut werden. In Friedrichs Vorhaben, der Umstrukturierung Siziliens, spielten auch die dort lebenden Muslime eine gewisse Rolle, auf welche ich im folgenden Punkt genauer eingehen werde.

Friedrich II. als Freund der Muslime?

Friedrich II.

Tatsächlich haftet ihm dieser Ruf immer wieder an. Gerne wird als Beweis dafür die Tatsache verwendet, dass Friedrich selbst fließend arabisch sprach, oder auch dessen Verhandlungserfolg mit dem ägyptischen Sultan um die Heilige Stadt Jerusalem. Diese Dinge entsprechen auch der Wahrheit, doch es gibt auch andere Punkte, die diesem Bild Friedrichs als Muslimenfreund entgegentreten. Ein hierfür schlagendes Argument ist beispielsweise sein Umgang mit den Muslimen im Königreich Sizilien.

Diese lebten dort nämlich bereits seit dem 9. Jahrhundert nach Christus in eigenen Siedlungen und Kommunen. Bereits unter normannischer Herrschaft wurden sie jedoch zurückgedrängt, sodass sich viele von ihnen in Höhlenburgen verschanzten. Von dort aus unternahmen sie dann Raubzüge in das Umland, was ein Eingreifen Friedrichs notwendig machte. Denn zum einen kam es dadurch zu sozialen Unruhen in der Bevölkerung, und zum anderen gingen dadurch auch ein Teil der königlichen Einkünfte verloren. Dies spielte dem König auch insofern in die Karten, als dass er dadurch deutliche Sympathien im Volk gewinnen konnte, welches den “fremdartigen” Muslimen größtenteils ablehnend gegenüberstand.

Militärischer Konflikt

Im Jahr 1222 begann Friedrich schließlich, militärisch gegen die Muslime vorzugehen. Diese konnten drei Jahre lang Widerstand leisten, doch letztendlich konnte sich der sizilianische König durchsetzen. In Folge dessen wurde ein Großteil der muslimischen Bevölkerung nach Lucera deportiert. Dort waren sie sehr eigenständig organisiert, so konnten sie etwa ihre Religion frei ausüben, hatten eine eigene Rechtsprechung und lebten in Selbstverwaltung. Dies alles führte dazu, dass die vorherigen Widersacher Friedrichs zu treuen Anhängern des Kaisers wurden und ihm als Soldaten und Hofbedienstete dienten. Nach dem Tod Friedrichs im Jahr 1250 waren die Muslime jedoch nicht länger willkommen, und so mussten viele von ihnen das Königreich verlassen.

Wie man in diesem Punkt also recht gut erkennen kann, war das Verhältnis Friedrichs mit den Muslimen durchaus zweiseitig. Auf die Frage, ob er persönlich Sympathien für sie gehegt hat, kann man nur mit Vermutungen antworten. Jedoch scheint es wahrscheinlich, dass Friedrich durchaus der muslimischen Bevölkerung zugewandt war. Das militärische Vorgehen gegen sie entstand vermutlich nur aus der Not heraus, da sie sich seiner Herrschaft widersetzt hatten.

 

Die Kirche & der Kreuzzug

Konflikt mit dem Papst

Bei diesem Thema muss man durchaus etwas weiter ausholen, in die Kindheit Friedrichs. Denn wie bereits im Ersten Beitrag erwähnt, übernahm nach dem Tod von Friedrichs Mutter Konstanze Papst Innozenz III. die Vormundschaft für den vierjährigen Friedrich.  Doch für seinen späteren Konflikt mit der Kirche um die Einlösung des Versprechens eines Kreuzzuges dürfte dieser Aspekt keine Rolle gespielt haben. Auch war Friedrich in seiner Funktion als Herrscher ein naturgegebener Gegenspieler der Kirche. Denn zwar war mit dem Wormser Konkordat von 1122 der Investiturstreit offiziell beendet, jedoch dauerten Rivalitäten um die weltliche und geistliche Vorherrschaft weiter (relativ) unverändert an.

Da für Friedrich die Neuordnung und Stabilisierung seines Reichs Priorität vor dem Kreuzzugsversprechen hatte, verschob er den Beginn dessen mehrmals. Dies stieß zwar auf steigenden Unmut auf Seiten der Kirche, doch hatte es zunächst keine Konsequenzen. Im Jahr 1225 verpflichtete sich Friedrich im Vertrag von San Germano, den er mit Papst Honorius III. abschloss, spätestens bis August des Jahres 1227 ins Heilige Land aufzubrechen. Falls der Kaiser den Vertrag jedoch nicht einhalten würde, würde er laut Abkommen vom Papst exkommuniziert werden.

Nach dem Tod Honorius III. folgte Gregor IX. auf den Stuhl Petri. Wie vereinbart brach Friedrich schließlich im August des Jahres 1227 mit einer Armee über den Seeweg zum Kreuzzug auf. Jedoch musste er aufgrund einer schweren Seuche bereits wenige Tage später wieder umkehren. Da Gregor IX. dem Kaiser gegenüber wesentlich weniger kompromissbereit eingestellt war, als noch sein Vorgänger, wertete er diesen gescheiterten Versuch als Vertragsbruch Friedrichs. Dem folgte die Exkommunikation des Kaisers im September 1227.

Der Kreuzzug im Jahr 1228

Teilweise seiner Legitimationsgrundlage beraubt, musste Friedrich nun handeln. Denn durch die Exkommunikation war seine Stellung als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs stark gefährdet. Also entschied er sich dazu – trotz Kirchenbann – sein Versprechen einzulösen und einen Kreuzzug zu unternehmen. Sicherlich erhoffte er sich davon die Aufhebung seiner Exkommunikation, jedoch hatte der Kreuzzug sicherlich noch weitere Gründe. Zum einen erlitten die Kreuzfahrerstaaten erhebliche Rückschläge im Jahr 1221. Darüber hinaus war Jerusalem selbst bereits seit 1187 wieder unter muslimischer Kontrolle, nachdem es von Saladin, Sultan von Ägypten, erobert worden war. Zum anderen war er seit dem Jahr 1225 (nach dem Tod seiner ersten Frau) mit Isabella von Brienne, der Erbin des Königreichs Jerusalem, verheiratet. Dadurch war Friedrich selbst König von Jerusalem, und setzte alles daran, dieses auch wiederherzustellen.

Also brach der exkommunizierte Kaiser mit einem Heer und 40 Schiffen im Juni 1228 ins Heilige Land zum sogenannten 5. Kreuzzug auf. Nach einem Zwischenaufenthalt auf Zypern erreichte das Heer Akkon im September desselben Jahres. Dort verweigerten ihm jedoch sowohl der Templerorden, als auch der Johanniterorden die Gefolgschaft. Da das Kreuzfahrerheer Friedrichs jedoch vermutlich nicht in der Lage gewesen wäre, um gegen die Truppen des Sultans bestehen zu können, setzte Friedrich auf eine andere Taktik. Verhandlungen mit dem Sultan. Dies kam dem ägyptischen Sultan Al-Kamil durchaus nicht ungelegen, denn diesem drohte ein militärischer Konflikt im eigenen Reich mit seinen Brüdern um die Vorherrschaft.

Der Vertrag von Jaffa

Friedrich II. und Sultan Al-Kamil

Im Februar des Jahres 1229 gelang es schließlich, nach fünfmonatigen Verhandlungen, zu einem Übereinkommen zu gelangen, den Vertrag von Jaffa. Dieser umfasste die Abtretung der Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth an das Königreich Jerusalem, wobei einige Orte, wie die Al-Aqsa Moschee weiterhin in muslimischer Hand blieben. Darüber hinaus wurde ein zehnjähriger Waffenstillstand zwischen beiden Parteien beschlossen.

Friedrich hatte also sein Ziel, die Rückgewinnung Jerusalems, erreicht, und dies ganz ohne Blutvergießen. Dennoch stieß die Nachricht über den Erfolg des Kaisers überwiegend auf Ablehnung, denn durch den Kirchenbann war dieser eigentlich gar nicht berechtigt, einen Kreuzzug zu führen. Auch die von ihm erhoffte Aufhebung des Kirchenbanns trat nicht ein. Friedrich blieb weiter exkommuniziert, obwohl er den Vertrag (verspätet) eingehalten und sein Versprechen gehalten hatte. Erst nach zähen Verhandlungen mit Papst Gregor IX. wurde Friedrich im Frieden von San Germano im August 1230 rehabilitiert, und sein Kirchenbann offiziell aufgehoben. In den folgenden Jahren kam es jedoch zu weiteren Auseinandersetzungen mit der Kirche, wobei es sich jedoch hauptsächlich um territoriale Angelegenheiten handelte. Im Jahr 1245 wurde Friedrich schließlich erneut exkommuniziert.

 

Friedrich II. als Gelehrter

Seite aus Friedrichs Falknerbuch

Vermutlich ist vielen das Buch Friedrichs über die Falknerei ein Begriff. Der Originaltitel lautet: “De Arte venandi cum Avibus”, also “Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen”. Dieses Buch wurde in den Jahren 1241-1248 von Friedrich selbst verfasst und gilt auch heute noch als ein zentrales Werk der Falknerei. Das Wissen hierfür entnahm Friedrich zu einem großen Teil seiner eigenen Erfahrung, denn er war selbst begnadeter Falkner. Neben allgemeinen Inhalten zu Haltung und Aufzucht dieser Tiere enthält dieses Werk auch umfassende Kapitel zur medizinischen Pflege der Vögel. Friedrich wurde beim Verfassen dieses Buches sicherlich durch zahlreiche Vorgängerwerke beeinflusst, wie normannischen Schriften aus dem 10. Jahrhundert. Auch Aristoteles` Werk “De animalibus libri” war Teil der Privaten Büchersammlung des Kaisers.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist der Einfluss seiner muslimischen Berater, denn in der arabischen Welt war die Falknerei zu dieser Zeit bereits sehr weit verbreitet. Unterstützt werden die Inhalte des Buches durch eine Vielzahl an Illustrationen und Darstellungen, was es zudem auch zu einem aus heutiger Sicht sehr wertvollem kunsthistorischen Objekt macht. Darüber hinaus förderte Friedrich zahlreiche weitere Wissenschaften, wie die Mathematik, für die er ebenfalls sehr großes Interesse hatte. An seinem Hof fanden sich christliche, jüdische und muslimische Gelehrte, welche die verschiedensten Funktionen innehatten. Nicht zu Unrecht wurde sein Hof in der späteren Historie als “Drehscheibe des Kulturtransfers” bezeichnet.

⇒ Passende Literatur zu diesem Thema: Friedrich der Zweite. Ein Sizilianer auf dem Kaiserthron*

Abschlussbemerkung

In diesen insgesamt zwei Artikeln zu Friedrich II. habe ich mich mit zentralen Aspekten seines Lebens, seiner Herrschaft und seines Wirkens auseinandergesetzt. Natürlich gäbe es viel mehr zu erwähnen, ist doch Friedrich einer der bedeutendsten römisch-deutschen Kaiser des Mittelalters. Doch ich hoffe, ich konnte wichtige Dinge vermitteln und das Interesse an der Person Friedrichs wecken, denn es gibt so viel Spannendes über ihn zu erzählen.


 

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